Interview Annika K.

Annika K. ist während ihres Bachelor-Studiums im Lehramt für 1 Auslandsjahr an eines der Top 10 Colleges in der NAIA gegangen. Am Ende ihrer Saison wurde sie bei der Convention in Los Angeles als All-American ausgezeichnet. In Deutschland hat Annika in der 2. Frauen-Bundesliga für den SV 67 Weinberg gespielt.

Hi Annika, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast und interessierten Spieler/innen einen Einblick in deine bisherigen Erfahrungen geben möchtest. Wir haben daher einige Fragen vorbereitet.

Was waren für dich und deine Eltern die ausschlaggebenden Gründe für ein Fußballstipendium in den USA? Welche Bedenken hattest du im Vorfeld und waren diese zutreffend?

Der Hauptgrund, warum es schon immer mein Wunsch war ein Auslandsjahr in den USA zu verbringen, war vor allem die Verbindung von Studium und Sport in Kombination damit ein anderes Land kennenzulernen. Andere Länder und Kulturen haben mich schon immer interessiert, weshalb ich in der zehnten Klasse schon für drei Monate in den USA war und eine High-School besuchte. Nach dieser großartigen Erfahrung beschloss ich ein Auslandssemester in den USA zu verbringen. Dass sich das Studium dort so gut mit dem Fußballspielen verbinden lässt, kam mir sehr gelegen. Was gibt es Besseres als durch sein Hobby die Möglichkeit zu erhalten mit einem Stipendium in den USA zu studieren?

Welche sportlichen Ziele hast du in den USA verfolgt bzw. erreicht? Wie würdest du die sportlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten an deiner Universität beschreiben?

Meine Ziele in den USA waren mich sportlich weiterzuentwickeln, mich also fußballerisch zu verbessern. Außerdem war es natürlich das Ziel Conference Champion zu werden und in den National Championship zu spielen. Leider konnte ich diese Ziele aufgrund einer Verletzung nicht erreichen. Nach der Regular Season, in der wir alle Spiele gegen unsere Conference-Gegner gewinnen konnten, konnte ich leider nicht mehr auf dem Platz stehen. Trotzdem konnte ich ein sportliches Ziel erreichen und zwar die Wahl ins All-American-Second-Team, die mit einer Reise nach Los Angeles, wo die Ehrung stattfand, verbunden war.
Die sportlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten sind für die Größe des Colleges sehr gut. Die Coaches sind sehr nett und kompetent, sie unterstützen die Spieler und versuchen alles, um einem weiterzubringen.

Wie würdest du deine Teamstruktur beschreiben?

Die Teamstruktur in Columbia fand ich großartig. Die 22 Teammitglieder kamen aus elf verschiedenen Ländern. Teil der Mannschaft waren Spielerinnen aus Schweden, den Niederlanden, Australien, Jamaika, Mexiko/Argentinien, Paraguay, Serbien, Brasilien und Peru. Aus Deutschland war ich die einzige. Nur vier meiner Mitspielerinnen waren aus den USA. Ich wurde sofort super aufgenommen, alle waren sehr nett, das ganze Team verstand sich sowohl auf als auch neben dem Platz sehr gut. Dadurch, dass wir uns jeden Tag beim Training gesehen haben und wir auch sonst viel Zeit miteinander verbracht haben, war es einfach leicht so schnell Freunde zu finden.

Wie drückt sich die Begeisterung an deiner Universität und in den USA für Fußball aus?

Der College-Sport ist ganz groß in den USA. Es wird jedes Jahr viel investiert, um gute Sportler an der Uni zu haben und optimale Rahmenbedingungen herzustellen, um erfolgreich zu sein. Als Athlet wird man an der Uni besonders angesehen, Stundenpläne werden auf das Training/ die Spiele abgestimmt, man wird unterstützt wo es geht, da der Sport neben der schulischen Leistung das Wichtigste ist. Das hat man natürlich auch am Lindsey-Wilson-College gemerkt, vor allem Spieltage waren besonders und für die Größe des Colleges waren auch immer relativ viele Zuschauer bei den Spielen anwesend.

Stelle uns kurz deine Universität sowie den Aufbau und Inhalt deines Studiengangs kurz vor:

Das Lindsey-Wilson-College in Columbia ist ein kleines College mit weniger als 3000 Studenten. Columbia liegt zentral im Süden Kentuckys. Entsprechend der Studentenzahl ist der Campus natürlich auch klein, so kann man in 10 Gehminuten einmal den kompletten Campus überqueren.
Da ich vor meinem Auslandsaufenthalt schon hier in Deutschland Mathematik und Sport auf Lehramt studiert habe und es den Studiengang dort in dieser Form nicht gibt, kann ich den Aufbau des dortigen Studiengangs schlecht beschreiben. Da von Anfang an klar war, dass ich nur für ein Jahr in den USA studieren werde, wurde ich als Math Education Major eingetragen, belegte aber neben wenigen Mathe-Kursen hauptsächlich Sport-Kurse, die mich in meinem Studium in Deutschland weiterbringen.

Beschreibe wie du dein Studium neben dem Fußball gestaltet hast und wie du dich hinsichtlich der Sprache mit dem akademischen Niveau zurechtgefunden hast:

Das Studium neben dem Fußball gestaltete sich nicht sehr schwierig. Vom Niveau her waren die Kurse einfacher als in Deutschland. Das Studium in den USA hat mich sehr an meine Schulzeit erinnert. Es gab nicht wie hier an der Uni zum Ende des Semesters eine Prüfung, die über die Note für die jeweilige Vorlesung entscheidet, sondern auch zwischendurch immer wieder kleine Tests, Präsentationen oder Hausarbeiten, die zusätzlich zur abschließenden Prüfung in die Notengebung einflossen. Die Sprache war kein Problem. Auch die Dozenten sind sehr hilfsbereit und stehen auch außerhalb der Vorlesungszeiten für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Wie kann man sich das Campus- und Studentenleben an deiner Uni vorstellen?

Das Campusleben ist etwas ganz besonderes. Dadurch, dass fast alle Studenten auf dem Campus wohnen, verbringt man viel Zeit miteinander. Man trifft Kommilitonen nicht nur in den Vorlesungen, sondern auch beim Essen oder in der Freizeit. Dadurch schließt man schnell neue Freundschaften. Die vielen Sportmannschaften werden zusammen unterstützt, wodurch ein Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Welche Eindrücke konntest du von Land & Menschen in den USA erhalten? Welche Freizeitmöglichkeiten gibt es an deinem Ort und was konntest du generell in den USA sehen?

Jedem Studenten aus dem Ausland wird eine Gastfamilie zugeteilt. Bei mir handelte es sich um ein älteres Ehepaar, das ein paar Kilometer von Columbia entfernt auf einer Farm wohnt. Ich hatte noch sechs Gastgeschwister, die auch alle am Lindsey-Wilson-College studierten. Jeweils zwei von ihnen waren aus Japan und Dänemark, einer aus Trinidad und eine aus Spanien. Fast alle waren ebenfalls Athleten am College (Fußball, Golf, Tennis). Wir verbrachten mehrmals einen Nachmittag auf der Farm und konnten so auch Eindrücke von Land und Menschen in den USA erhalten. Meine Eindrücke sind der positiv. Mit jedem, den ich kennenlernte, kam ich schnell ins Gespräch, alle waren sehr freundlich und hilfsbereit.
Dadurch, dass Columbia so klein ist, gibt es nicht besonders viele Freizeitmöglichkeiten. Die meiste Zeit verbrachten wir auf dem Campus, spielten Beachvolleyball oder Tennis. Kentucky ist sehr ländlich und hat eine schöne Natur zu bieten, so waren wir auch häufig am See oder gingen angeln.
Ich durfte auch sonst einiges während meines Aufenthalts erleben und sehen, so war ich mit dem Team in den Herbstferien für zwei Auswärtsspiele mehrere Tage in Florida und Georgia. Mit meiner Familie verbrachte ich die Semesterferien in Miami, New York und Chicago. Zusammen mit einer Mitspielerin und unserer Trainerin durfte ich einige Tage nach Los Angeles, um am All-American-Luncheon teilzunehmen. Die Frühjahrsferien verbrachten wir in South Carolina und nach dem Ende des Semesters reiste ich mit zwei Mitspielerinnen noch nach Mexiko und Kalifornien.

Wie beurteilst du deine gesammelten Erfahrungen, welche Erwartungen haben sich erfüllt und welche nicht? Was waren die Highlights deiner Zeit in den USA?

Meine Erfahrungen in den USA waren sehr positiv. Besonders vermisse ich die Zeit mit dem Team. Noch nie habe ich so schnell Freundschaften geschlossen wie während des letzten Jahres. Es ist schon traurig, wenn man fast ein Jahr lang jeden Tag mit seinem Team verbringt und dann wieder nach Hause zurückkehrt. Alle Spiele waren toll, besonders waren aber die Auswärtsspiele in den Herbstferien. Außerdem gehörten natürlich noch die Reisen zu den Highlights.

Welchen Ratschlag kannst du potenziellen Interessenten an einem Fußballstipendium geben?

Ich kann jedem nur empfehlen, die Chance zu nutzen und eine Zeit lang in den USA zu verbringen. Es erweitert den Horizont, ist eine Erfahrung für das Leben und gibt die Möglichkeit weltweit Freunde zu haben.
Es ist hilfreich, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich umfassend über die Unis zu informieren und sich im Klaren darüber zu sein, was man sich vom Aufenthalt erwartet.

Was sind deine Pläne und Ziele für die Zeit nach dem Fußballstipendium?

Nach meiner Rückkehr aus den USA im Juni habe ich nach meiner Verletzung wieder mit dem Fußballspielen angefangen. Ich spiele wieder beim SV Weinberg, meinem alten Team, das mir während der Zeit in den USA schon auch gefehlt hat und setze mein Studium in Würzburg fort.

Du möchtest wissen, welche Chancen du auf ein Fußballstipendium in den USA hast? Dann nutze unsere kostenlose Chanceneinschätzung.